Paradigmenwechsel: Mobiles Web für Mediziner, Patient und Praxis

10 Oct 2017

Das mobile Internet entwickelt sich zum Wachstumsmarkt für Services im Bereich medizinische Versorgung und Gesundheitsdienstleistungen. Dabei spielt die zunehmende Vernetzung verschiedener Dienste eine zentrale Rolle. All das steht zwar noch weitgehend am Anfang, aber die Frage lautet: Wie können Ärzte und Patienten das mobile Web zum beiderseitigen Vorteil nutzen?

Geht da noch mehr als Recherche?

Smartphones machen auf Praxiswebsites und Jameda & Co. den größten Teil der Zugriffe aus – zwischen 50% und 90%, je nach Fachrichtung des Arztes, meist für Recherchen. Aber da geht doch mehr?

In Frankreich gibt es bereits Praxen, die auf eine telefonische Vereinbarung eines Termins völlig verzichten und nur noch online Terminvereinbarungen anbieten. Davon sind wir in Deutschland zwar noch ein Stück entfernt, aber zahlreiche Anbieter versuchen hier die Lücke zwischen Praxisverwaltung und Online-Patienten zu schliessen.

Praxis-Software vs. Online-Termine

Das Problem sind hier weniger die Patienten, sondern vielmehr die alteingesessenen proprietären Praxisverwaltungssysteme. Deren Konzepte sind samt und sonders veraltet, bieten weder standardisierte Schnittstellen noch brauchbare eigene Internet-Frontends. Diese Software-Branche steht sich hier mit ihren überholten Verwaltungssystemen selbst im Weg, die proprietären Konzepte sind massive Innovationshemmer.

Zahlreiche Software-Anbieter versuchen hier mit Onlinediensten wie Samedi, Doctena o.a. die Lücke zwischen vorhandener Praxisverwaltung und Online-Patienten zu schliessen. Was jedoch zur Folge hat, dass das Praxispersonal nicht mehr nur eine, sondern mehrere Terminkalender zu führen hat, die händisch abzugleichen sind. Für die Patienten schon eine gute Sache, für die Praxis eher hinderlich. Deshalb ist die Akzeptanz in den Praxen derzeit zögerlich. Das wird sich aber in absehbarer Zeit ändern, wenn neue Praxissoftware entwickelt worden ist, die entsprechende Netz-Interfaces gleich mitbringt.

Aber der Weg dahin ist weit, denn die Standards fehlen. Man muss sich vor Augen halten: Ohne offene Standards wäre das Internet, wie wir es heute kennen, nie entstanden.

Aber welche Möglichkeiten hat eine Praxis heute, das mobile Internet sinnvoll in bestehende Praxisabläufe zu integrieren? Hier reduziert sich der Nutzerfokus auf Terminabsprache, Rezept- oder Überweisungsabruf oder Informationen zu Praxis und Ärzten. 

Mit drei Klicks einen Termin anstossen

Mit drei Klicks einen Termin machen, ein Rezept oder Überweisung abrufen, das sollte ein modernes Web-Frontend einer guten Praxis möglich machen. Und gleichzeitig aber auch das Praxispersonal entlasten, indem die Informationsflüsse klug kanalisiert und terminiert werden, somit die Koordination im Praxisalltag vereinfachen

Das ist keine Science Fiction, wir haben so etwas schon auf die Beine gestellt. Neben den technischen Details im Web-Interface und der AB-Telefonansage müssen natürlich auch ein paar Dinge organisatorisch angepasst werden. In der Praxis bedeutet das letztlich, dass die Telefonarbeit für das Praxispersonal nun in definierten Blöcken täglich geleistet wird, der Rest der Arbeitszeit kann konzentriert auf andere Dinge verwendet werden. Die ständigen Störungen durch Anrufe von Patienten entfallen komplett, was mehr Ruhe in den Praxisalltag bringt.

Patientenbindung durch neue, einfache Nutzungskonzepte

Man muss als Arzt im Blick haben, dass mehr als zwei Drittel der Patienten mit einem Smartphone anrufen – und auch online gehen. Ein Patient, der anruft und vom AB direkt auf die Website verwiesen wird, nimmt lediglich das Smartphone vom Ohr, um nun die URL einzugeben und im Netz weiter zu machen. Er muss keine Wege gehen, verliert keine Zeit. Im Webinterface trifft er dann rasch eine Entscheidung, was er möchte, und zwei Klicks weiter ist er fertig, bekommt sofort eine Bestätigung für seine Anfrage. Der Ball ist nun beim Praxispersonal, welches spätestens innerhalb 24 Stunden im vereinbarten Zeitfenster melden wird. 

Praxiskontakt 24/7

Dieser Service steht dem Patienten im Netz rund um die Uhr zur Verfügung, und das ist ein toller Kundenservice, der in den Sprechstundenzeiten personell gar nicht zu machen ist. Für den Nutzer hingegen ist ein schneller und unkomplizierter Service ein ganz zentraler Punkt. Jemand, der im Zug oder zu Fuss unterwegs ist, will nicht suchen und zoomen – der möchte schnell fertig sein. Letztenendes muss das Frontend jede Interaktion des Patienten so leicht und angenehm wie möglich gestalten – dann wird dieser auch glücklich sein. Und wiederkommen. Und bleiben.

Herausforderung für die Praxis

Solche Angebote verlangen nach völlig neuen Ansätzen und Nutzerführungen. Die notwendige Technologie ist auf der Patientenseite zwar schon vorhanden, aber auch  Ärzte und Praxispersonal müssen ihren Teil zum Gelingen beizutragen.

Das System bringt richtig angewendet eine Arbeitserleichertung, die wertvolle Arbeitskraft freisetzt. Die Praxis wird effizienter. Gut so, genau darum geht es. Denn eine Praxis ist eben auch ein wirtschaftendes Unternehmen, Innovation kostet Geld und muss Geld einspielen.

Innovation bedeutet auch Veränderung und Anpassung – was gelegentlich holperig sein kann. Manchmal ist es schwer, eingeschliffene Abläufe zu verändern. Hier sollte der Praxisinhaber auf professionelle Hilfe setzen.

Wir unterstützen unsere Kunden auch bei der Implementierung und Integration in bestehende Systeme, und organisieren bei Bedarf auch Organisationsberatung oder Coaching der Praxisteams.

 

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Smartphones machen auf Praxiswebsites und Gesundheitsportalen den größten Teil der Zugriffe aus  Wie kommen Mediziner, Praxen und Patienten im mobilen Internet zusammen?

Siehe auch:

Gamechanger Smartphone - Die neuen Nutzungskonzepte im mobilen Internet
Immer mehr Menschen nutzen heute das mobile Internet für ihr tägliches Leben und ihre Arbeit.  Sind Internetangebote wirklich darauf abgestimmt?

Das Satellite-Funnel-Prinzip
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